Interview

„Promovieren geht nicht zwischen Tür und Angel“

Dr. Dennis Maelzer über seine Doktorarbeit, Plagiatsjäger und Karrierechancen

Zu Guttenberg, Schavan, Andreas Kasper – Plagiatsfälle bei Dissertationen gibt es einige. In dieser Reihe sieht sich Landtagsabgeordneter Dennis Maelzer nicht. Er trägt seinen gerade erworbenen Doktortitel mit einem guten Gefühl.

Detmold. In seiner Arbeit befasst sich der Detmolder Sozialdemokrat mit dem Thema Politikberatung. Dazu hat er in einem sechsjährigen Prozess Interviews mit Politikern, Wissenschaftlern und anderen Experten geführt und seine Ergebnisse zu Papier gebracht. Im LZ-Interview erklärt er, wie er dies neben seiner Mandatstätigkeit hinbekommen hat und warum er sich nicht vor Plagiatsjägern fürchtet.


Herr Maelzer, herzlichen Glückwunsch zum Doktortitel – und auch zu Ihrem Mut.


Dr. Dennis Maelzer: (lacht) Ich ahne, worauf Sie anspielen. Die Plagiatsfälle waren Punkte, an denen ich nochmal überprüft habe, ob ich alles richtig gemacht habe. Obwohl man alles nach bestem Wissen und Gewissen macht, hat man irgendwann die Vorstellung: „Du stehst als Politiker besonders auf dem Präsentierteller, bei dir muss alles hunderprozentig korrekt sein.“


Ist es ein Wagnis, als Politiker zu promovieren?


Maelzer: Ich glaube, so weit würde ich nicht gehen. Wenn man versucht, alles so zu machen, wie es einem im Studium beigebracht wurde, ist es sicherlich kein Wagnis. Aber man muss sich bewusst sein, dass man nicht schludern darf.


Mit welchem Gefühl haben Sie die Arbeit abgegeben?


Maelzer: Mit großer Erleichterung. Das Ganze war ja ein jahrelanger Prozess. In den letzten sechs Wochen habe ich Tag- und Nachtsitzungen damit zugebracht. Danach ist man einfach nur erleichtert, dass man einen Schlussstrich ziehen kann.


Wie haben Sie sich abgesichert?


Maelzer: Ich habe die Arbeit mehrfach durchgelesen und bei bestimmten Passagen kritisch überprüft, ob ich noch mal detaillierter nacharbeiten muss. Das war in der Regel nicht der Fall. Am Schluss habe ich auch um externe Unterstützung gebeten und die Arbeit durch eine Plagiatssoftware jagen lassen – wobei, wie erwartet, nichts rausgekommen ist.


Gibt es Dienste, die so etwas anbieten?


Maelzer: Theoretisch gibt es solche Sachen auch im Internet, die kann man kostenpflichtig nutzen. Universitäten haben natürlich auch Plagiatssoftware, sodass man erkannt werden würde, wenn man Schindluder treiben wollte.


Haben Sie gar keine Angst vor Plagiatsjägern?


Maelzer: Solange sie mein Buch kaufen, können sie das alles gerne machen. Ich bin da gelassen.


Was meinen Sie, was geht in solchen Menschen vor?


Maelzer: Bei manchen ist wahrscheinlich das wissenschaftliche Interesse die Antriebsfeder. Sie haben womöglich selbst einen jahrelangen Prozess mit großen Anstrengungen mitgemacht, während andere eine Abkürzung nehmen. Das entwertet ja auch ein Stück weit die eigene Arbeit. Bei manchen ist es zum Teil wohl auch Sensationslust.


Warum stürzen sich solche Leute gerne auf Politiker?


Maelzer: Wahrscheinlich weil Politiker in der Öffentlichkeit stehen und bei ihnen noch einmal höhere Ansprüche gesetzt werden. Politiker sollen die Interessen der Allgemeinheit vertreten, und da wünscht man sich, dass sie besonders integer sind.


Halten Sie die Aberkennung des Titels bei unsauberer Arbeit für gerechtfertigt?


Maelzer: Das kommt immer auf den Einzelfall an. Bei Herrn zu Guttenberg war es eine sehr offensichtliche Fehlleistung. Bei manchen anderen hatte ich das Gefühl, es ging um Grauzonen. Im Endeffekt ist es aber eine Frage, die die Wissenschaft selbst beantworten muss.


Gibt es gerade in Politikerkreisen viele, die ihre Arbeiten – vielleicht auch aus Zeitmangel – zusammengestrickt haben?


Maelzer: Ich glaube, Zeitmangel darf kein Grund sein. Ich hätte es nicht hingekriegt, wenn ich nicht 80 Prozent meiner empirischen Arbeit und die Hälfte der Verschriftlichung schon vor meiner Mandatstätigkeit gehabt hätte.


Wie haben Sie es geschafft, die Arbeit fertig zu schreiben?


Maelzer: Ich bin nur in der sitzungsfreien Zeit zu meiner Dissertation gekommen. Dann habe ich am Stück wochenlang daran gearbeitet. Der Urlaub ist ausgefallen. Ich bin kein Mensch, der die zweistündige Zugfahrt zum Schreiben nutzen kann, da habe ich zu wenig Ruhe. Wissenschaftliches Arbeiten geht nicht zwischen Tür und Angel.


Befördert der Doktortitel die Karriere?


Maelzer: Ich glaube, gerade nach den Debatten zu Plagiatsfällen gibt der Doktortitel nicht unbedingt einen Karriereschub, wenn man in der Politik ist. In der freien Wirtschaft ist das mit Sicherheit noch anders.


Was war Ihre Motivation?


Maelzer: Wissenschaftliches Arbeiten hat mir immer großen Spaß gemacht. Und auch bei der Doktorarbeit habe ich wieder gemerkt, dass es eine spannende Sache ist.


Meinen Sie, der Titel bringt Sie weiter?


Maelzer: Ich bin im Wissenschaftsausschuss. Da ist es gut, zu zeigen, dass man nicht ganz fern vom Wissenschaftsbetrieb ist.


Wäre die Wissenschaft heute noch ein mögliches Standbein für Sie?


Maelzer: Also, ich zeige jetzt keine Amtsmüdigkeit (lacht). Ich glaube, dass es schwer wäre, nach Jahren dort Fuß zu fassen. Wissenschaftliches Arbeiten macht mir Spaß, aber es ist keine Exit-Strategie für mich.


Das Interview führte LZ-Redakteurin Jana Beckmann.

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