Dennis Maelzer / Josef Neumann: „Runder Tisch soll Kinderverschickungen in NRW aufarbeiten: ein wichtiger Schritt – bundesweite Initiative muss folgen“

Nordrhein-Westfalen wird einen „Runden Tisch Kinderverschickungen“ bekommen. Der Start soll Anfang 2023 erfolgen. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion im Landtag NRW hervor. Der Runde Tisch gehört zur Aufarbeitung der Kinderverschickungen in NRW. Mehr als zwei Millionen Kinder in NRW wurden von 1949 bis 1990 in Heime geschickt, in denen viele von ihnen gedemütigt und erniedrigt wurden. Viele waren nach der Rückkehr traumatisiert. Daher setzt sich die SPD-Fraktion für eine konsequente Aufarbeitung ein. Hierzu erklären Dr. Dennis Maelzer, familienpolitischer Sprecher und Josef Neumann, Abgeordneter der SPD-Fraktion im Landtag NRW:

Dennis Maelzer:

„In Nordrhein-Westfalen haben wir aus der Mitte des Parlaments heraus die Aufarbeitung der Kinderverschickungen zum Thema gemacht und einen parteiübergreifenden Konsens erzielt. Die Einrichtung eines Runden Tisches in Nordrhein-Westfalen resultiert aus dieser Initiative. Das ist ein großer Erfolg für das Anliegen der ehemaligen Verschickungskinder.

Die Interessen der Betroffenen und ihr Wunsch nach Aufarbeitung sind über Jahrzehnte ignoriert worden. Auf Bundesebene setzt sich das leider fort. Das zuständige Bundesfamilienministerium hat eine Unterstützung bei der Aufarbeitung zurückgewiesen. Wir hoffen, dass Bundesfamilienministerin Lisa Paus noch erkennt, dass ihre Zurückweisung für die Betroffenen, nun zusätzliches Leid bedeutet. Ungerechtigkeit zu erfahren, ist schlimm. Wenn von Verantwortungstragenden damals wie heute weggesehen wird, macht es das noch unerträglicher.

Verantwortung macht nicht an Ländergrenzen Halt. Bund und Länder stehen in einer gemeinsamen Verantwortung. Daher schlagen wir vor, eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe einzurichten. Das Land Nordrhein-Westfalen steht unserer Idee positiv gegenüber. Jetzt muss sich das zuständige Bundesfamilienministerium endlich bewegen.“

 

Josef Neumann:

„Hundertausende haben in Verschickungsheimen teils schlimme Erfahrungen gemacht. Sie waren Drangsalierungen, Demütigungen, psychischer und physischer Gewalt und teilweise auch sexuellen Übergriffen ausgesetzt. Dieses dunkle Kapitel ist niemals ausreichend aufgearbeitet worden. In Nordrhein-Westfalen wird die Arbeit des Vereins Aufarbeitung Kinderverschickungen (AKV NRW) gefördert. Für Bürgerforschung über das ,Citizen-Science-Projekt-Kinderverschickungen NRW‘ stellt das Land bis zu 575.000 Euro zur Verfügung. Dadurch werden Betroffene unterstützt, ihre eigene Geschichte aufklären zu können.

Das System der Kinderverschickung war jedoch nie auf ein einzelnes Bundesland beschränkt. Kinder wurden landesweit in Heime verschickt. Sozialversicherungsträger waren in die Finanzierung eingebunden. Auch der Bund muss dem Thema deshalb die Beachtung schenken, die es verdient. In einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe könnte die bundesweite Aufarbeitung koordiniert werden. Jetzt ist Bundesministerin Paus am Zug.“

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