Gewaltmeldungen in Kitas stark gestiegen – SPD warnt vor Überforderung und fordert besseren Kinderschutz
Dennis Maelzer (SPD): „Die Zahlen sind ein Alarmsignal, das die Politik nicht länger überhören darf.“ Die Zahl der gemeldeten Gewalt- und Missbrauchsvorfälle in nordrhein-westfälischen Kitas ist in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen.
Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion hervor. Besonders alarmierend ist der massive Anstieg von Gewalt unter Gleichaltrigen. Die SPD warnt vor strukturellen Problemen im Kita-Alltag und fordert entschlossenes politisches Handeln.
„Ein drastischer Anstieg von Gewalt- und Missbrauchsmeldungen innerhalb weniger Jahre zeigt nicht nur, dass genauer hingeschaut wird – er offenbart vor allem, wie groß der Handlungsbedarf inzwischen ist“, erklärt Dennis Maelzer, kinder- und familienpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. „Wenn sich die gemeldeten körperlichen Übergriffe durch Kinder innerhalb von drei Jahren nahezu verzehnfachen, geht es längst nicht mehr um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Problem.“
Maelzer kritisiert insbesondere die Pläne der schwarz-grünen Landesregierung, das Fachkräftegebot in Kitas weiter aufzuweichen. „Gerade jetzt dürfen die Fachkräfte nicht im Stich gelassen werden. Wenn Fachkräfte nur noch wenige Stunden pro Tag in der Kita eingesetzt werden sollen, führt das zwangsläufig zu Überforderung – und gefährdet den Kinderschutz“, so Maelzer. „Kinderschutz braucht verlässliche pädagogische Begleitung über den gesamten Tag hinweg.“
Positiv bewertet die SPD, dass es in Kitas inzwischen verbindliche Meldewege gibt. „Konsequente Dokumentation, enges Monitoring und fachliche Beratung schaffen Transparenz und ermöglichen rechtzeitige Intervention“, sagt Maelzer. „Doch diese Strukturen geraten unter Druck, wenn Gruppen immer größer werden.“ Die geplante Zulassung von Kita-Gruppen mit bis zu 29 Kindern sei auch aus Kinderschutzgründen der falsche Weg.
Zugleich fordert die SPD einen ganzheitlichen Blick auf den Kinderschutz. „Es reicht nicht aus, funktionierende Melde- und Beratungssysteme nur in einem Teil des Bildungssystems vorzuhalten“, betont Maelzer. „Auch im Offenen Ganztag müssen verbindliche Schutzkonzepte, klare Meldewege und fachliche Unterstützung selbstverständlich sein.“
Abschließend stellt Maelzer klar: „Wer den Schutz von Kindern ernst meint, muss Fachkräfte stärken, Prävention systematisch ausbauen und Strukturen schaffen, die Überforderung verhindern. Alles andere wäre ein fahrlässiges Wegsehen angesichts einer Entwicklung, die längst nicht mehr zu ignorieren ist.“