Keine neuen Familienzentren mehr für Lippe

Insgesamt 74 Familienzentren gibt es im Kreis Lippe. Weitere werden nicht kommen. Familienzentren sind Kitas, die Kinder betreuen und zusätzlich die Familien beraten und Kurse anbieten. Eigentlich sollten dieses Jahr 150 weitere Familienzentren in Nordrhein-Westfalen kommen. Jetzt können landesweit lediglich 14 Zentren ausgebaut werden. Lippe geht dabei leer aus, weiß Dennis Maelzer, Familienpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Er bezieht sich auf eine Vorlage der Landesregierung.

„Wenn es nach CDU und Grünen geht, kann sich keine Kita in der Region mehr Hoffnung machen, noch Familienzentrum zu werden“, kritisiert Maelzer. „Im kommenden Kita-Jahr werden nur noch Restgelder verteilt, bis der Geldtopf leer ist. In der Folge schließt das Land dann auch diesen Weg.“

Die Landesregierung verweist darauf, dass in der Vergangenheit mehr auf quantitativen Ausbau gesetzt wurde. Nun werde der Fokus auf Qualität gelegt. „Für eine qualitative Weiterentwicklung von Familienzentren in belasteten Sozialräumen werden die sog. Chancen-Kitas eingeführt“, heißt es in der Vorlage des NRW-Familienministeriums. Eine Chancen-Kita soll ein Familienzentrum sein, das gleichzeitig mit dem Landesprogramm PlusKita gefördert wird. Diese sollen sich unter anderem bei der Sprachbildung engagieren.

„Qualität statt Quantität ist natürlich ein eingängiger Slogan, doch wer in den aktuellen Gesetzentwurf schaut, erkennt, dass er mit der Realität wenig zu tun hat“, lautet Maelzers Kritik. „Das ist ein Widerspruch zum tatsächlichen Handeln der Landesregierung. Chancen-Kitas sollen besonders bei Sprache fördern. Doch bei der Sprachbildung setzt die Landesregierung auf ABC-Klassen und entzieht den Kitas die Kompetenz.“

Kita-Kinder, die nicht gut Deutsch sprechen, sollen künftig zweimal pro Woche je zwei Stunden an Sprachkursen in sogenannten ABC-Klassen teilnehmen. Dazu werden sie aus der Kita abgeholt und zur nächstgelegenen Grundschule gefahren. Dort finden die Sprachkurse statt, ehe die Kinder wieder in die Kita gebracht werden. Diese Fahrten werden nicht vom Land übernommen. Hier sieht der Entwurf vor, dass die lippischen Kommunen die Fahrten selbst organisieren und zahlen müssen.

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