Mehr als 80 Menschen diskutieren über Kita-Reform in Detmold
Mehr als 80 Eltern, Fachkräfte und Träger kamen zum „Elternabend“ von Dr. Dennis Maelzer (SPD) ins Café Extrablatt. Im Mittelpunkt stand die geplante Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz). Viele Teilnehmende schilderten Stress im Alltag, Personalmangel und den Druck durch Bürokratie. Maelzer ist familienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag und kritisiert die KiBiz-Reform. Katrin Freiberger, Vorsitzende des Kreisjugendhilfeausschusses, moderierte die Gesprächsrunde.
„Was CDU und Grüne planen ist ein Schlechte-Kita-Gesetz für Nordrhein-Westfalen“, macht Maelzer gleich zu Beginn des Abends seine Position deutlich. „Der KiBiz-Vorschlag zeugt mit weniger Fachkräfte zu Randzeiten und gleichzeitig größere Kita-Gruppen davon.“
In der Debatte beschreibt Maelzer das geplante Kern- und Randzeitenmodell als Beispiel für Qualitätsabbau. Dadurch wäre der bisherige Fachkraftschlüssel nur noch an 5 Stunden pro Tag verbindlich. „Das ist ein Sparmodell“, sagt Maelzer. „Frühkindliche Bildung funktioniert nicht nach Stundentafel. Denn keine Zeit in der Kita ist weniger wichtig als die andere.“
Kritisch sieht der Familienpolitiker auch die Möglichkeit, Kita-Gruppen noch stärker überzubelegen. Bis zu vier Kinder mehr sollen künftig pro Gruppe möglich sein: „Schon heute stressen die Gruppengrößen Kinder und Beschäftigte. Wenn man hier noch zusätzlich draufsattelt, wird das die Belastung nur erhöhen und es kommt zu mehr krankheitsbedingten Ausfällen bei den Erzieherinnen und Erziehern. Damit wird das System nur instabiler und weniger verlässlich“, ist sich der Kita-Experte sicher.
Die SPD kritisiert die Pläne von CDU und Grünen seit Monaten. Maelzer setzt bei der KiBiz-Reform auf zwei Punkte: Er fordert mehr Planungssicherheit und weniger Druck durch Gebühren und starre Modelle. Dafür brauche es eine Personaloffensive, denn landesweit seien fast 4.000 Ausbildungsplätze unbesetzt, auch weil sich viele Kita-Träger angesichts der mangelnden Finanzierung keine Auszubildenden mehr leisten können.
Der Unmut der Fachkräfte und Eltern über die Regierungspläne unüberhörbar
„Hier beim Elternabend konnten sich alle Beteiligten austauschen über verlässliche Betreuung, gute Arbeitsbedingungen und faire Finanzierung. Die KiBiz-Reform stößt übergreifend auf harte Kritik. Berechtigt, wie ich finde“, sagt Maelzer. „Auch die freie Wohlfahrtspflege und der Gewerkschaften kritisieren den KiBiz-Entwurf nun seit Monaten. Gehört werden sie zwar, doch ändern will die Grüne Familienministerin Verena Schäffer nichts.“
Der Elternabend in Detmold ist Teil einer Reihe von Gesprächsformaten der SPD-Landtagsfraktion. Maelzer nutzt dafür auch die Ideenplattform family-first.nrw auf der es noch mehr Informationen zum KiBiz gibt. Dort können Eltern und Beschäftigte Vorschläge einreichen.