SPD in Heidenoldendorf feiert 120. Geburtstag
Wanderung auf sozialdemokratischen Spuren
Detmold-Heidenoldendorf. Seit 120 Jahren gibt es eine SPD in Heidenoldendorf. Zu diesem Anlass lud der Ortsverein zu einer Wanderung ein, um auf den Spuren sozialdemokratischer Geschichte in dem Ortsteil zu wandeln. Den historischen Hintergrund lieferten Ortsvereinschef Dennis Maelzer für den politischen Part und Nicolas Rügge, der jüngst ein Chronik über die Geschichte Heidenoldendorfs veröffentlicht hat.
„In Heidenoldendorf wurde der erste SPD-Ortsverein in Detmold gegründet und zwar am 18. Januar 1906“, berichtete Maelzer zu Beginn. Doch die Gründung verlief durchaus holprig. Die 19 Genossen trafen sich im Gasthof „Zur Linde“, doch wurden sie alsbald hinauskomplimentiert. Politische Versammlungen der Sozialdemokraten waren im Kaiserreich nicht gern gesehen. So ging es für die Gründungsmitglieder weiter in den Obernkrug, wo sie das gleiche Schicksal ereilte. Nach dem Besuch der dritten Gaststätte, dem Niedernkrug, war die Gründung schließlich vollzogen. In späteren Jahren traf man sich im „Konsum“, der heute ein Beerdigungsinstitut beherbergt. Nach einer kurzen Blütezeit bedeutete die Nazizeit auch für viele Heidenoldendorfer Sozialdemokraten Berufsverbot und Inhaftierung, berichtete Maelzer. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die SPD bei Kommunalwahlen über fünf Jahrzehnte stärkste Kraft vor Ort. Das sollte sich erst 1999 für zwei Legislaturperioden ändern. Seitdem kann die SPD auch in Heidenoldendorf wieder von sich behaupten: „Wir sind die stärkste der Parteien.“
Für den Aufstieg in die „große Politik“ war Heidenoldendorf von jeher ein gutes Pflaster. Der Ortsverein brachte mehrere bedeutende Persönlichkeiten für die SPD hervor. Wilhelm Mellies war Landtagspräsident im lippischen Landtag. Von den Nationalsozialisten erhielt der Lehrer Berufsverbot. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog er in den Bundestag ein und wurde Vize-Vorsitzender der SPD. Ein Weggefährte war Heinz Wegener, der für die SPD zunächst im Bundestag, später im Landtag saß und 15 Jahre lippischer Landrat war. Heute vertritt der Heidenoldendorfer Dennis Maelzer seit mehr als 16 Jahren die SPD und seinen lippischen Wahlkreis im Düsseldorfer Landtag.
Ein Highlight der Geschichte des Ortsvereins hat die SPD auf dem Veranstaltungsplakat abgebildet. Zum 75-jährigen Bestehen war es dem damaligen Vorsitzenden Heiner Ostmann gelungen, Willy Brandt nach Heidenoldendorf zu locken. Im und vor dem Festzelt am Sportplatz sollen mehr als 2.000 Menschen den Worten der SPD-Ikone gelauscht haben. Ebenfalls ein bis heute bekannter Gast kam zum 110. Geburtstag. Norbert Walter-Borjans, der spätere SPD-Vorsitzende besuchte Heidenoldendorf.
Nicolas Rügge versorgte die Teilnehmenden mit zahlreichen Informationen rund um den Ortsteil, der stark durch Bauern und Arbeiter geprägt war. Er berichtete auch über die Straßenbahn und den Heidenbach, der lange Jahre noch mitten durch den Ort führte. Die Wanderung endete am Bürgerwald Langelohweg. Dort haben die Sozialdemokraten zum 120-jährigen Bestehen eine Purpur-Erle gepflanzt. Bei Bratwurst und Getränken ließen die Teilnehmenden den Nachmittag ausklingen.
Foto: Willy Brandt als Highlight: Dennis Maelzer (l.) und Nicolas Rügge machten eine Stadtführung in Heidenoldendorf auf sozialdemokratischen Spuren.